Mitteilung

Policy Brief 01/2020

Policy Brief 01/2020: Corona-Krise: Bund und Länder müssen die Arbeitsfähigkeit des Wissenschaftssystems sicherstellen – Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen jetzt sichere Finanzierung und zeitliche Flexibilität. Die Corona-Krise stellt alle gesellschaftlichen Bereiche in Deutschland vor eine bislang nie dagewesene Herausforderung.

Berlin, 03. April 2020: Die Corona-Krise stellt alle gesellschaftlichen Bereiche in Deutschland vor eine bislang nie dagewesene Herausforderung. Ohne Zweifel stehen zunächst die gesundheitlichen und medizinischen Probleme auf der Agenda ganz oben, unmittelbar gefolgt von den sich aktuell entwickelnden und zu erwartenden Beeinträchtigungen der Wirtschaft. Gerade in einer Wissensgesellschaft und Wissensökonomie wie Deutschland ist ein funktionierendes Wissenschaftssystem essenziell für die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise. Doch auch dieses Wissenschaftssystem ist von den Auswirkungen der aktuellen Krise betroffen – zum einen ergibt sich durch die Corona-Krise neuer Forschungsbedarf und zum anderen entstehen in laufenden Projekten erhebliche Belastungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Folgende Punkte hält die Expertenkommission Forschung und Innovation für wesentlich:

In der Corona-relevanten Forschung ist es insbesondere für medizinische und pharmakologische Untersuchungen und Projekte jetzt wichtig, dass Mittel schnell und unbürokratisch zur Verfügung stehen. Komplizierte Antragsverfahren sind hier fehl am
Platz.

In laufenden Forschungsprojekten kämpfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit weitreichenden Schwierigkeiten und gravierenden Einschränkungen: Verfahrensabläufe müssen kurzfristig umgestellt werden, Projektbearbeitungen verzögern sich und Kommunikationsinfrastrukturen sind überlastet, während parallel zur Arbeit im Home Office oftmals Kinder betreut werden müssen. Gleichzeitig laufen geförderte Forschungsprojekte, befristete Stellen und Stipendien aus, Ausschreibungsfristen verstreichen und Projekt-Meilensteine geraten ins Wanken.

Die Expertenkommission appelliert daher an Bund und Länder sowie die Organisationen der Wissenschaftsfinanzierung, angemessen auf die Krise zu reagieren und die Forschungsvorhaben abzusichern. Mit Blick auf die außergewöhnlichen Belastungen, mit denen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konfrontiert sehen, empfiehlt die Expertenkommission, geförderte Projekte kostendeckend zu verlängern, vertragliche Fristen und Projekt-Meilensteine zeitlich anzupassen und neue Ausschreibungen – sofern sie nicht zeitkritisch sind – mit einem verlängerten Vorlauf zu versehen.

Die Expertenkommission appelliert zudem an Bund und Länder, bei ihrem Tenure-Track-Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses die durch die Corona-Krise verursachten Verzögerungen zu berücksichtigen. Ausreichende zeitliche Puffer sollten auch bei bestehenden Zielvereinbarungen bzw. Hochschulverträgen, den Befristungsregelungen
für Qualifikationsstellen sowie Stipendienlaufzeiten zur Anwendung kommen. Flexible Regelungen sind dabei nicht nur ein Zeichen der Fairness gegenüber den betroffenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sie sind auch notwendig, um das Funktionieren unseres Wissenschaftssystems in Krisenzeiten weiterhin zu gewährleisten und bis zur Erholungsphase fit zu halten.

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