Anhaltende Hitzeperioden, zunehmende Trockenheit und regionale Wasserknappheit stellen Wirtschaft und Gesellschaft vor wachsende Herausforderungen. Anlässlich der heute beginnenden Kabinettsklausur verweist die EFI auf Empfehlungen aus ihren Jahresgutachten 2024 und 2025, mit denen sich Klimaresilienz, Ressourceneffizienz und Wettbewerbsfähigkeit gleichermaßen stärken lassen. Um Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten, müssen innovative Lösungen schneller entwickelt und in die Praxis gebracht werden.
Investitionen in neue Technologien tragen nicht nur zur Bewältigung der Folgen von Hitze und Wasserknappheit bei, sondern sind zugleich Voraussetzung dafür, dass Deutschland seine technologische Leistungsfähigkeit und internationale Wettbewerbsfähigkeit behaupten kann.
Landwirtschaft: Potenziale neuer Technologien besser nutzen
Bereits in ihrem Jahresgutachten 2024 hat die EFI auf die großen Herausforderungen für die Landwirtschaft hingewiesen. Landwirtschaftliche Betriebe müssen künftig mit weniger Fläche, geringerem Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie unter schwierigeren klimatischen Bedingungen ausreichend Nahrungsmittel produzieren. Gleichzeitig nehmen Hitze- und Trockenstress zu.
„Mit dem Einsatz von digitalen und smarten Technologien ließe sich der Anbau effizienter und nachhaltiger gestalten und gleichzeitig die Resilienz der Landwirtschaft gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels stärken“, sagt Prof. Irene Bertschek, ZEW Mannheim und Vorsitzende der EFI. „Zudem ist die Europäische Union nicht nur ein großer Markt für digitale und smarte Technologien in der Landwirtschaft, sondern auch ein bedeutender Innovationsstandort.“ Um diese Potenziale besser zu erschließen, empfiehlt die EFI unter anderem den weiteren Ausbau digitaler Infrastrukturen in ländlichen Regionen sowie die Schaffung eines bundesweit einheitlichen Datenraums für die Landwirtschaft.
Darüber hinaus bieten neue Züchtungstechnologien wie die Grüne Gentechnik die Möglichkeit, klima-, hitze- und trockenheitsresistentere Pflanzen gezielt zu entwickeln. Die Bundesregierung sollte sich langfristig bei der EU für eine vom gentechnischen Verfahren unabhängige Regulierung der Grünen Gentechnik einsetzen, sodass über eine Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen vorrangig auf Grundlage der Eigenschaften einer Pflanze anstelle des verwendeten Verfahrens entschieden wird.
Wasserwirtschaft: Innovationshemmnisse abbauen und Versorgungssicherheit stärken
Im Jahresgutachten 2025 hat die EFI die Herausforderungen für die Wasserwirtschaft deutlich gemacht und auf erheblichen Handlungsbedarf hingewiesen. Schon heute kommt es regional zu Nutzungskonflikten, die sich durch den Klimawandel weiter verschärfen dürften. Um die Wasserversorgung langfristig zu sichern, müssen Innovationen schneller erprobt und verbreitet werden.
Die EFI empfiehlt die zügige Digitalisierung des Wasserregisters. „Transparente Daten zu vergebenen Wasserrechten und tatsächlichen Wasserentnahmen sind eine zentrale Voraussetzung für ein modernes und effizientes Wassermanagement. Darüber hinaus sollten Wasserentnahmeentgelte die tatsächliche Knappheit von Wasser stärker berücksichtigen. Dies würde Anreize für einen sparsameren Umgang mit Wasser schaffen und Investitionen in innovative Technologien fördern“, sagt Prof. Friederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn und Mitglied der EFI.
Die starke Fragmentierung der deutschen Wasserwirtschaft kann die Einführung innovativer Lösungen erschweren. Die EFI spricht sich deshalb für Konzepte und Maßnahmen aus, die Zusammenschlüsse kleinerer Versorgungseinheiten fördern und dadurch Innovationen erleichtern. Solche Zusammenschlüsse können dazu beitragen, bei Problemlagen wie Hochwasser oder Dürren, die über mehrere Versorgungsgebiete hinweg entstehen, innovative strukturelle Lösungen besser zu koordinieren und schneller umzusetzen. Zudem spricht sich die EFI für den Ausbau von Reallaboren aus. In diesen Reallaboren sollten sowohl neue Technologien als auch institutionelle Innovationen, etwa bei Wasserentnahmerechten oder zur Vermeidung von Nutzungskonflikten, unter realen Bedingungen erprobt werden.